Kürzlich verschaffte sich der niedersächsische Wirtschaftsminister und heimische Landtagsabgeordnete Grant Hendrik Tonne einen persönlichen Eindruck von der Lage der Beschäftigten in der Helios-Mittelweserklinik Nienburg. Der Besuch erfolgte auf Einladung der lokalen SPD-Arbeitsgemeinschaft für Arbeit (AfA) sowie des Betriebsrates der Mittelweser-Kliniken.

Massive Belastung im Klinikalltag

In einem intensiven Gespräch beschrieben die Arbeitnehmervertreter, darunter die Betriebsratsvorsitzende Izabela Dierks sowie Tobias Sperling von der AfA, eine seit Monaten herausfordernde Situation. Laut Betriebsrat wurden regelmäßig Mindestbesetzungen in der Pflege unterschritten und eine enorme Arbeitsverdichtung im ärztlichen sowie pflegerischen Dienst gehören demnach zum Alltag.

Diese Überlastung führt zu einer Spirale aus hohen krankheitsbedingten Ausfällen, Überstunden und verkürzten Ruhezeiten. Besonders prekär stelle sich die Lage in der Nachtversorgung dar. Zusätzlich werde das Fachpersonal durch die Übernahme fachfremder Servicetätigkeiten – etwa Reinigungsarbeiten oder Catering – von den eigentlichen Kernaufgaben am Patienten abgelenkt.

Strukturelle Mängel und Abwanderung

Neben der personellen Not thematisierten die Gremiumsmitglieder auch infrastrukturelle Versäumnisse. So sorge etwa der seit rund drei Jahren stillgelegte Hubschrauberlandeplatz für Unmut und stehe symbolisch für verzögerte Investitionen. Diese Rahmenbedingungen bleiben nicht ohne Folgen: „Unsere Beschäftigten arbeiten seit langer Zeit an der Belastungsgrenze“, betonten die Betriebsratsmitglieder während des Termins. Gefährdungsmeldungen seien an der Tagesordnung, bildeten jedoch nur die Spitze des Eisbergs ab. In der Konsequenz sei eine deutliche Abwanderungstendenz erfahrener Fachkräfte zu beobachten, während gleichzeitig die Qualität der praktischen Ausbildung unter dem Zeitdruck leide.

Appell an die Politik

Die AfA und der Betriebsrat machten deutlich, dass dringender Handlungsbedarf bestehe, um die medizinische Versorgung im Landkreis Nienburg langfristig zu sichern. Hierzu gehöre ein Umdenken vor Ort, wie auch eine kritische Überprüfung bestehender Gesetze und Verordnungen auf Bundesebene und eine ausreichende Finanzierung.

Wirtschaftsminister Tonne ist dankbar für das Gespräch und den guten Austausch. Er werde die Themen mitnehmen und sich für eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen einsetzen. Er bat die Mitglieder des Betriebsrates sich auch weiterhin aktiv einzubringen: „Eine engagiertere Arbeitnehmervertretung ist Basis für jedwede Veränderung zum Guten.“ So Tonne.